Der Meisterchor proVocal hatte ein erlebnisreiches Wochenende mit gleich zwei Konzerten, die sehr unterschiedlich waren und dennoch eine gemeinsame Botschaft hatten.
von on Juni 9, 2024 in Konzerte

Das eine Konzert war sehr groß auf Deutschlands größter Freilichtbühne mit vielen Musikern und sehr vielen Zuhörern, das andere klein und familiär in einem kleinen idyllischen Ort mit Kirche und Schloss mit knapp 200 Zuhörern.

Und die verbindende Botschaft war die Musik, im Sinne der Brüderlichkeit, der Vielfalt und Gemeinsamkeit.

Welch grandioses Festival! Und proVocal Münzesheim war mittendrin unter den ca. 450 Musikern auf der Bühne und dem voll besetzten Zuschauerbereich der Freilichtbühne der Volksschauspiele Ötigheim. Hier fand am Samstag, den 1. Juni 2024 das große Festivalkonzert im Rahmen des 7. Internationalen Chorfestivals Baden statt.

Es dauerte einige Minuten bis alle Musiker ihren Platz auf der Bühne eingenommen hatten, und dies obwohl der Männerchor und das Orchester das Konzert bereits mit „The Awakening“ von J.M. Martin und dem feierlichen „Te Deum“ von M.A. Charpentier eröffnet hatten. Mit allen Musikern gemeinsam wurde nun die Ode an die Freude von L.v. Beethoven gesungen, die direkt überging in die Ode an den Chor „Exhale in Colour“, ein neu komponiertes Werk von M. Böhringer. Nach diesem fulminanten Einstieg präsentierten sich nun nacheinander einige der teilnehmenden internationalen Chöre einzeln auf der Bühne. So überzeugten die Herrenstimmen des Boys Choir aus Luzern mit ihrem Gesang und den passenden Choreographien, ob Instrumente nachahmend oder Klangrohre spielend, während der Kammerchor Sophia aus Kiew mit klarem, ausgewogenem Klang auftrat, um uns die ukrainische Musik näherzubringen. Seit dem Krieg touren diese neun Musiker, die sich mit dem Prädikat „international hervorragend“ schmücken dürfen, daher durch Europa, um die Musik und sich am Leben zu halten. Neben dem Chor aus Luzern trat nun ein weiterer Jugendchor auf die Bühne, der Badische Jugendchor. Auch er faszinierte mit Choreographien und fesselnden Stücken.

Nach einer Pause folgten Reisen in andere Kulturen, so präsentierte der Chor Umoya Munye aus Südafrika und Ghana dem Publikum ihre Klänge, unterstrichen mit rhythmischen Bewegungen. Die jungen Männer waren bunt gekleidet und manche spielten typische Trommeln dazu. Weiter ging die Reise nach Mexiko. Ein kleines Ensemble, die Vox – a cappella Band, bot eine große Bandbreite ihres Gesangsrepertoires mit kräftigen Stimmen, die zum Teil Schlagzeug imitierten. Als weitere Gruppe kamen die Bangkok Voices, die nicht nur stimmlich beeindruckten, sondern auch mit ihren landestypischen Attributen wie Schirmen, Fahnen oder einer Art Fächer aus Federn. Damit boten sie sozusagen einen Augen- und Ohrenschmaus.

Zudem sang auch Marc Marshall, der den ganzen Abend moderierte, aus seinem neuen Liederalbum. Er erklärte, dass der Festivalabend auf vier Punkten aufbaue, dem Spirit, der Qualität der einzelnen Teilnehmerensembles, der Internationalität und der Vielfalt, welche die verschiedenen Kulturen mitbringen.

Am Ende trat nochmal der gesamte Festivalchor auf die Bühne, bestehend aus den bereits genannten Chören sowie den Chören Dameskoor Aimée Thonon aus Belgien, VOCALmen Malsch, den MännerStimmen Malsch, VoiceMen Obergrombach, VocalLadies Obergrombach, BelleAmie Ötigheim, SilberKlang Ötigheim, MännerStimme Ötigheim. Sie wurden begleitet vom Sinfonieorchester an der DHBW Karlsruhe. Zum Abschluss des Festivalkonzertes sangen und spielten alle Musiker gemeinsam das Stück „Spirit of Brotherhood“ von Matthias Böhringer, der sämtliche deutschen Chöre des Abends dirigierte und der Musikalische Direktor des Festivals war. Das Publikum sang mit und erzeugte mit Lichtern eine verbindende Stimmung aller.

Am Sonntag, den 2. Juni 2024 fand dann das Wandelkonzert der Stadt Kraichtal in Gochsheim statt. Unter dem Titel „Klangwelten“ wurden die Zuhörer nicht nur durch die musikalischen Epochen mitgenommen, sondern ebenso durch Europa und nach Amerika.

Mit dem feierlichen „Te Deum“ von Charpentier eröffnete das Sinfonieorchester an der DHBW Karlsruhe das Konzert in der St. Martin-Kirche, bevor der Meisterchor proVocal mit einem weiteren barocken Stück die Kirche zum Klingen brachte. Über die Klassik mit Beethoven ging das Programm weiter in die Romantik zu Bruckner. Mit dem Tanz „Farruca“ von de Falla ging der erste Konzertteil schwungvoll zu Ende. Von Alphornklängen begleitet wandelte das Publikum nun entweder ins Schloss, wo der Kammerchor Sophia aus Kiew die Zuhörer mit seinen gewaltigen und gefühlvollen Stimmen fesselte, oder durch die Gasse, wo man sich bei einem Häppchen und Getränk stärken und weiteren Gesängen des Chores lauschen konnte, die zunächst mit Mendelssohn an der Romantik anknüpften. Über Volkslieder ging es über zu Popsongs. Ob das Thema des Aufstands des Volkes gegen die Fürstenherrschaft oder doch, wie so oft, das Thema Liebe im Vordergrund stand, der Chor zog die Besucher gekonnt in seinen Bann.

Gemeinsam fand in der Kirche der letzte Konzertteil statt, wo der Kammerchor Sophia das Publikum von der Empore aus in ukrainische Klänge mitnahm. Mit geistlichen Werken, aber ebenso einem dissonanten Stück, welche alle sehr präzise und intensiv vorgetragen wurden, zeigte der Chor, einer der besten der Welt, sein Können.

Mit der Europahymne von Beethoven, der Ode an die Freude, und der Neukomposition von Böhringer „Exhale in Colour“ neigte sich das Konzert dem Ende zu, als alle Musiker zusammen auftraten.

Der Bürgermeister Tobias Borho sagte noch einige Worte und bedankte sich beim Publikum sowie bei allen Musikern, v. a. dem ukrainischen Kammerchor und Matthias Böhringer für ihren Einsatz und das gemeinsame Konzert.

Als Zugabe stimmten alle das Stück „Spirit of Brotherhood“ an, bei dem sogar die Zuhörer mitsingen konnten. Großer Applaus rundete den besonderen Abend durch die Klangwelten ab.

 

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