5. Karlsruher PROMS „Von Brahms bis Bernstein“
von on Juli 17, 2018 in Konzerte

Die nunmehr 5. Karlsruher PROMS stand unter dem Motto „Von Brahms bis Bernstein“

Sinfonieorchester an der DHBW Karlsruhe
Solistinnen und Solisten der Hochschule für Musik Karlsruhe – Sopranistin Clara-Sophie Bertram, Bassbariton Marcel Brunner und Tenor Yiwei Xu
proVocal Münzesheim
Badischer JugendChor
Matthias Böhringer, Dirigent
Veranstalter: Sinfonieorchester an der DHBW Karlsruhe

Musikalische Entdeckungsreise „Von Brahms bis Bernstein“

Die Vorfreude im voll besetzten Konzerthaus war mit Händen zu greifen, als die Akteure des Sinfonieorchesters an der DHBW Karlsruhe, von ProVocal Münzesheim und des Badischen JugendChors die Bühne betraten – und vom ersten Ton an zeigten, warum die Karlsruher PROMS Jahr für Jahr ein besonderes Konzerterlebnis sind.
Monumental und filigran, nach vorne drängend und in sich gehend: Unter der Leitung von Matthias Böhringer zeigten die Ensembles eindrucksvoll, wie völlig unterschiedliche Klangbilder und musikalische Schattierungen ihre Wirkung entfalten und, im wahrsten Sinne des Wortes, berühren können – denn unberührt von Emotionen blieb an diesem Abend niemand!
Von Brahms bis Bernstein“ lautete das Motto der fünften PROMS-Ausgabe, und auf diesem Weg gab es wieder viel zu entdecken. Los ging es mit dem „Triumphlied“ von Johannes Brahms. Das doppelchörig angelegte, übrigens in Karlsruhe uraufgeführte Werk mit seinen kathedralartig nach oben strebenden Linien verlangte den Mitwirkenden alles ab, gefolgt vom zwar als „freudig“ bezeichneten, aber eher zynisch komponierten dritten Satz aus Brahms‘ vierter Sinfonie.

Mit dem schwungvollen „Ungarischen Marsch“ von Hector Berlioz begann der Reigen von Stücken mit besonderem Lokalkolorit. Bassbariton Marcel Brunner beklagte anschließend als Fürst Igor aus Borodins gleichnamiger Oper sein Scheitern als Heeresführer. Eine überragende, mit frenetischem Beifall quittierte Performance!

Mit dem typisch spanischen Genre der Zarzula ging es weiter. Das fulminante Intermezzo aus „La Boda de Luis Alonso“ von Gerónimo Giménez y Bellido riss das Publikum mit feurigen Rhythmen und Castagnetten-Klängen mit, bevor sich der Fokus nach Frankreich richtete, genauer gesagt: auf Bizets „Carmen“. In der Arie „Je dis que rien ne m‘épouvante“ zeigte die Sopranistin Clara-Sophie Bertram eine bravouröse Leistung als die von Gefühlskonflikten überforderte Micaéla, die der alles dominierenden Titelheldin nicht viel entgegenzusetzen hat. Auch bei den nächsten Stücken verweilten die Akteure bei Bizet. Die ansonsten meist als Orchestersuite aufgeführte „L‘Arlesienne“ erklang hier in der ursprünglichen Gestalt als Schauspielmusik, wobei auf das atmosphärische Prelude zum letzten Akt die bekannte Farandole für Piccoloflöte, Tambourin und Chor folgte. Den Abschluss des Bizet-Blocks bildete das beliebte Duett „Au fond du temple saint“ aus der Oper „Die Perlenfischer“. Marcel Brunner und dem Tenor Yiwei Xu gelang eine intensive Interpretation des emotionalen Freundschaftsschwurs, dessen exotische Klangnuancen das Orchester kongenial beisteuerte. Das Finale des ersten Konzertteils war einem Klassiker der Filmmusik gewidmet: der „Storm Clouds Cantata“ von Arthur Benjamin, die Hitchcock für beide Versionen seines „Der Mann, der zuviel wusste“ verwendete. Orchester, Chor und erneut Clara-Sophie Bertram brachten die zum Zerreißen gespannte Atmosphäre der düster beginnenden und sich unerbittlich bis zum Höhepunkt steigernden Musik mit größter Intensität zu Gehör.
Im zweiten Teil ging es mit Filmmusik weiter, allerdings wäre ein größerer Kontrast zum vorher gehörten Stück kaum möglich: Bei Elmer Bernsteins „The Hallelujah Trail“ aus dem Western „Vierzig Wagen westwärts“ konnte man sich bei der schwungvollen Darbietung von Orchester und Chor die Planwagenkarawane lebhaft vorstellen, die ihre hochprozentige Fracht in die Abgelegenheit des amerikanischen Westens transportiert.

Matthias Boehringer spielt Rhapsody in Blue

Matthias Böhringer spielt Rhapsody in Blue. Foto: Anne Schwarz

Was folgte, war eine Premiere in der PROMS-Geschichte: Zum ersten Mal stand ein Konzertflügel auf der Bühne, an dem Matthias Böhringer den anspruchsvollen Solopart aus Gershwins „Rhapsody in Blue“ mitreißend interpretierte. Auch das Orchester zeigte sich bestens für diesen Klassiker der Moderne präpariert, der im Konzerthaus seine Wirkung nicht verfehlte.

Wehmut und große Gefühlsausbrüche folgten beim „Danzon No. 2“ des Mexikaners Arturo Márquez direkt aufeinander, bevor sich die Bühne verdunkelte und die passende Stimmung für Hans Zimmers „Chevaliers de Sangreal“ aus dem Film „Der DaVinci-Code – Sakrileg“ entstand. Breitwand-Sound à la Hollywood und Gänsehaut-Feeling pur! Im letzten Block kam der zweite Namensgeber des PROMS-Mottos zu seinen Ehren, Leonard Bernstein. Anlässlich seines 100. Geburtstags brachten Orchester, Chor und Solisten die große Bandbreite des Komponisten auf die Bühne und begeisterten das Publikum mit Musical-Musik aus „Wonderful Town“, „West Side Story“ und „Candide“.

Lang anhaltender Beifall und Standing Ovations waren der Lohn für einen erneut außergewöhnlichen und überraschenden PROMS-Abend, der mit Brahms „Ungarischem Tanz Nr. 5“ und John Miles‘ Evergreen „Music“ als Zugaben seinen würdigen Abschluss fand.

proms karlsruhe 2018

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